Einige von euch haben sie bei unserer Festivaleröffnung bewundern können: Graphic Recording Artist Johanna Benz hat gemeinsam mit dem Animationsteam Sara Bock und Sandra Barth ihre eigene künstlerische Perspektive auf die zehn eingeladenen Inszenierungen in kurzen, feinen Filmen zum Ausdruck gebracht. Viel Vergnügen!
Seit 25 Jahren bin ich Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums (KJTZ) und darf in dieser Funktion seit 1999 das Festival AUGENBLICK MAL! als Künstlerischer Leiter gemeinsam mit meinen Kolleg*innen im KJTZ und den Mitarbeiter*innen der Produktionsteams gestalten. In dieser Zeit wurde aus dem Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen das Festival des Theaters für junges Publikum und AUGENBLICK MAL! hat sich immer weiterentwickelt. Wenn ich jetzt das Festival zum 13. und letzten Mal verantworte, scheint ein persönlicher Blick zurück angemessen zu sein. Zumindest fand die Redaktion der Website und des Festival Magazins, dass meine Erinnerungen an besondere Augenblicke aus dem vergangenen Vierteljahrhundert ein passender Beitrag für diese Publikation wäre.
Ein Lieblingsmoment fällt mir auf Anhieb ein. Es sind sogar viele Momente. Besonders berührt haben mich immer wieder die Augenblicke, wenn ich nach einer Festivalpremiere die Urkunde für die Teilnahme an das gastierende Ensemble überreichen durfte. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen aus dem KJTZ und den verschiedenen Produktionsteams habe ich diese Aufgabe immer gern übernommen. Zum einen, weil ich diesen symbolischen Moment als Ausdruck der Wertschätzung für die künstlerische Arbeit für Kinder und Jugendliche sehr wichtig finde und zum anderen, weil es immer wieder emotional berührend ist, die Freude und den Stolz der Darsteller*innen, die die Urkunde erhalten, zu erleben. Seit 2013 können alle Besucher*innen von Festivalpremieren diesen Augenblick der Würdigung erleben. Bis dahin hatten wir die Urkunden vor dem Festival im Anschluss an eine Vorstellung der eingeladenen Gastspiele an den Theatern vor Ort überreicht. Auch das waren schöne Momente, wenn sich das heimische Publikum mit seinem Theater über die Einladung freuen konnte. Damals waren die Urkunden eher schmucklos und sachlich, heute werden sie eigens im jeweiligen Festivaldesign von Holger Drees entworfen, der seit 2009 das Corporate Design für AUGENBLICK MAL! gestaltet. Und so finde ich bei meinen Besuchen in den Theatern für junges Publikum in ganz Deutschland immer wieder diese kleinen Kunstwerke an prominenter Stelle im Foyer aufgehängt, wo sie allen Zuschauer*innen des betreffenden Theaters verkünden: Ihr seid hier in einem preisgekrönten Theater! Und das macht sicherlich auch zukünftiges Publikum stolz auf sein Theater.
Die Würdigung des Theaters für Kinder und Jugendliche ist neben dem Angebot für den fachlichen Diskurs ein wichtiges Ziel von AUGENBLICK MAL! Das drückt sich auch in der Übernahme der Schirmherrschaft durch die Bundesjugendministerinnen der vergangenen Festivaljahre seit 1999 aus. Besondere Momente gab es in diesen Jahren, wenn die Schirmherrin des Festivals persönlich zur Eröffnung kam. Gleich bei meinem ersten Festival als Künstlerischer Leiter durfte ich die damalige Bundesjugendministerin und ehemalige letzte Präsidentin der Volkskammer der DDR, Dr. Christine Bergmann, im damaligen carrousel Theater (heute THEATER AN DER PARKAUE) begrüßen. Und wir mussten dann 20 Jahre darauf warten, dass wieder eine Ministerin das Festival AUGENBLICK MAL! miteröffnete. Nach Renate Schmidt, Dr. Ursula von der Leyen, Dr. Kristina Schröder und Manuela Schwesig, die allesamt Schirmherrinnen des Festivals waren und von Staatssekretär*innen und anderen Repräsentant*innen des Bundesjugendministeriums würdig vertreten wurden, besuchte 2019 mit Franziska Giffey erneut eine Ministerin die Eröffnung des Festivals. Und auch 2021 ließ sie es sich nicht nehmen und war beim Live-Stream der Eröffnung des Jubiläumsfestivals aus dem ATZE Musiktheater mit dabei und überraschte uns alle nicht nur mit ihren wertschätzenden Worten für das Festival, sondern obendrein mit einer kleinen Statuette des Berliner Wappentiers, die nun einen Ehrenplatz im Büro des KJTZ in Frankfurt hat.
Ich freue mich nun schon auf meine nächsten Lieblingsmomente bei AUGENBLICK MAL! 2023. Ich weiß jetzt schon, dass der Festivaltrubel und die Begegnung mit Bekannten und neuen Bekanntschaften ganz sicher zu meinen liebsten Augenblicken in den vergangenen fast zweieinhalb Jahrzehnten gehören werden. Denn nach den einsamen Momenten vor dem Bildschirm meines Laptops in einem leeren Berliner Hotel bei der digitalen Ausgabe von AUGENBLICK MAL! 2021, wird jede Begegnung mit unserem Festivalpublikum ein besonderer Moment werden.
Prof. Dr. Gerd Taube
Künstlerischer Leiter
Ein Reisebericht setzt das Reisen voraus. Das aber ist zu kurz gekommen in unserer Auswahlphase. Corona hat die Theater lahm gelegt, Vorstellungen sind kurzfristig ausgefallen oder wurden verschoben. Wir saßen also weitgehend vor dem Bildschirm fest. Ein Vorteil für die Freie Szene, die oft nur wenige Spieltermine anbieten kann: Nun wurde sie erneut gleichwertig wahrgenommen mit den Theatern und Sparten für ein junges Publikum. In unserer Auswahl spiegelt sich das wider, mit einem großen Anteil freier Produktionen. Kooperationen freier Gruppen mit festen Häusern sind ja ohnehin längst ein bewährtes Modell, auch das zeigt unser Zehner-Tableau. Aber fehlt hier nicht etwas: Nur ein Theatertext, vom Autor-Regisseur selbst inszeniert, ansonsten Stückentwicklungen und Performativ-Installatives? Ja, uns haben diese Setzungen eher überzeugt (auch wenn manches, das uns am Herzen lag, zwischen Nominierungsrunde und Endauswahl weggefallen ist). Die Zehner-Auswahl spiegelt natürlich auch die Sehgewohnheiten und Geschmäcker unseres Fünfer-Kollektivs wieder. Und sie ist ein Aufruf an die Künstler*innen, ästhetisch und inhaltlich mutig zu sein. AUGENBLICK MAL! versammelt ja seit langem die innovativen Setzungen, die neue Wege weisen. Und weniger das, was im Alltagsbetrieb funktioniert. Daran haben wir uns bei der Auswahl orientiert.
Was ist uns begegnet bei unseren Sichtungen? Themencluster, klar. Die Klimakrise und die Zukunft unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens beschäftigen die Theater wie ihr junges Publikum vorrangig. Wie lebt man, wenn das Trinkwasser knapp wird, aber das Meer in die Städte schwappt? Wird eine Öko-Diktatur herrschen oder organisieren wir uns weiterhin demokratisch? Das sind Fragen, die im Kinder- wie Jugendtheater vorgebracht werden. Daneben sind uns natürlich auch die klassischen Themen des jungen Theaters begegnet: Freundschaft, Erwachsenwerden, Coming-out. Und wenig Eltern – der emanzipative Ansatz ist Theateralltag.
Dabei wirkt Vieles noch immer recht elitär, richtet sich vorrangig an ein weißes, vom eher akademischen Elternhaus geprägtes, also klassisches Publikum. Diverse Ensembles auf der Bühne sieht man vor allem dann, wenn es inhaltlich um Diversität geht. Zwar haben wir erfreuliche Beispiele für mehr Barrierefreiheit gesehen; eine Inszenierung, bei der Gebärdensprache integriert ist, haben wir ausgewählt. Aber noch immer sind Spieler*innen und Zuschauer*innen mit Behinderung und gesellschaftsbedingten Einschränkungen zu selten im Theater vertreten. Aufgefallen ist uns auch, dass wenig wirklich Partizipatives angeboten wird, Vieles ereignet sich in der Black Box. Gibt es hier doch mehr Berührungsängste und bequeme Gewohnheiten als es sich das Kinder- und Jugendtheater selbst zuschreibt? Wer den Ausgang der Vorstellung vom Publikum abhängig macht, riskiert das Scheitern. Zwei Inszenierungen, die hier etwas wagen, haben wir eingeladen. Gerade das Kindertheater, so unser Eindruck, kann sich auf die Entdeckungsfreude und Spiellust seiner Zielgruppe noch mehr verlassen und ästhetisch mutiger sein.
Trotz dieser Entwicklungsspielräume, an denen die Szene ja längst arbeitet, ist die Offenheit der jungen Darstellenden Künste groß. In Klassenzimmern und Turnhallen wird gespielt, Audiowalks führen in die Stadt, mit der Pandemie wurde der digitale Raum erschlossen (auch wenn das Meiste hier noch im Experimentierstadium steckt). Der Dialog mit dem Publikum ist ein Muss. Ohne Vermittlung und Kontaktaufnahme ist das junge Theater nicht vorstellbar. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass unsere Auswahlperiode die erste war, in der auch wir mit jungen Theaterexpert*innen kooperieren durften. Die Vertretung junger Perspektiven war uns ein geschätztes Gegenüber. Ihre Voten haben unsere Entscheidungen wesentlich beeinflusst. Und wir haben eine gegenseitige Offenheit erlebt, die Mut macht. Ein altersoffenes oder jung co-besetztes Auswahlgremium sollte unbedingt für die künftigen Ausgaben von AUGENBLICK MAL! geschaffen werden.
Das Festivalkuratorium: Antigone Akgün, Malte Andritter, Dorothea Lübbe, Elena Philipp und Winfried Tobias
Wenn ihr mit den Kurator*innen über die Auswahl sprechen möchtet, könnt ihr dies am 24. April um 18:30 im Festivalzentrum tun.
Auf unserem Festival verbringen viele Menschen, viel Zeit miteinander. Das Festival wird begleitet von einem mobilen Awareness Team, das während und nach dem Festival vor Ort als auch telefonisch oder per Mail für Dich da ist. An dieses Team kannst Du Dich wenden, solltest Du diskriminierende Erfahrungen und Grenzverletzungen während des Festivals erleben. Das Team ist auch für Kritik und Anregungen ansprechbar.
Ann, Gus, Marlo und Lily, sind für Dich an allen Festivalorten unterwegs und ansprechbar – Du erkennst sie an den pinken Base Caps.
Hier stellen sie sich euch kurz vor, bevor ihr euch über Inhaltswarnungen und weitere Maßnahmen informieren könnt.
INHALTSWARNUNGEN
Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, Inhaltswarnungen mit möglichen inhaltlichen oder sensorischen Triggern zu den von uns gezeigten Inszenierungen zu veröffentlichen. Die Besucher*innen sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, sich auf den Vorstellungsbesuch vorzubereiten und Pädagog*innen wissen dadurch, welche Themen sie mit den von ihnen begleiteten Kindern und Jugendlichen gegebenenfalls nachzuarbeiten sollten oder müssen. Die Inhaltswarnungen betreffen nicht nur die Darstellung der genannten Themen, sondern in manchen Fällen auch die verbale Thematisierung. Die Inhaltswarnungen findet ihr, wenn ihr auf der Seite einer Inszenierung ganz nach unten scrollt.
RUHERAUM & VOREINLASS
Im Festivalzentrum Theater Strahl Ostkreuz steht euch ein reizarmer Ruheraum zur Verfügung, wenn ihr einmal eine Auszeit vom Festivaltrubel benötigt. Er ist vor Ort ausgeschildert.
Wenn es für euch aus wichtig ist, nicht mit einem ganzen Menschenpulk in den Theatersaal zu strömen, dann könnt ihr ab 15 Minuten vor jeder Vorstellung unseren Voreinlass in Anspruch nehmen. Bitte meldet euch dafür beim Einlasspersonal vor Ort.
Falls ihr euch noch weiter über unsere Awareness-Arbeit und die allgemeine Zugänglichkeit des Festivals informieren möchtet: Hier findet ihr alle Informationen dazu.
Ein Festival besteht aus Begegnungen und gemeinsamen Erfahrungen. Die Umgebung, in der dies passiert, ist ein oft nur unbewusst wahrgenommener Teil davon.
Unsere Szenographin Stephanie Zurstegge hat für das Festival eine Gestaltung entwickelt, die das Corporate Design des Festivals aufgreift und es künstlerisch frei interpretiert. Sie spielt mit den Farben und Formen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit: Die Materialien, die für die Hausgestaltung verwendet werden, sind großteils wiederverwertet und gehen auch danach wieder in eine Weiternutzung.
Stephanie Zurstegge hat auch beim vergangenen Festival die Szenographie übernommen. Als wir kurzfristig das Festival nebst Festivalzentrum ins Digitale übertragen mussten, hat sie gemeinsam mit der Künstlerin Teresa Mayr ein digitales Festivalzentrum entworfen, das uns auch online direkte Gespräche und gemeinsame Vorstellungsbesuche möglich gemacht hat. Mehr zu dieser Herausforderung hat sie in unserem Blog des letzten Festivals beschrieben.
Wir freuen uns natürlich, dass wir uns in diesem Jahr wieder persönlich begegnen können – dennoch haben wir zwei Elemente aus dem letzten Festival übernommen: Unter diesem Beitrag findet ihr die von Teresa Mayr gezeichnete Übersicht unseres Festivalzentrums Theater Strahl Ostkreuz. Und könnt ihr euch erinnern, woran ihr 2021 Mitglieder des Teams in gather.town erkannt habt? Wir hatten alle gelbe Caps auf. Nun – daran erkennt ihr uns auch in diesem Jahr!
Und die Gestaltung macht vor den Besucher*innen nicht Halt: Unsere Festivaltaschen sind Pink wie unsere "Festivalschlange", die magentafarben die Wege durchs Festival symbolisiert. Wenn ihr im Festival zusammensteht, könnt auch ihr eine Schlange, Welle, einen Pulk oder Weg bilden.

© Illustration: Teresa Mayr | Konzept: Stephanie Zurstegge
Hi, ich bin Zoe, 19 Jahre alt und mache grade ein Freiwilliges soziales Jahr beim Kinder- und Jugendtheater, in der Social-Media- und Marketing-Abteilung. Als Eigenprojekt habe ich einen TikTok Account für AUGENBLICK MAL! gestartet. Dort findet ihr Videos zu dem Rahmenprogramm, den Gastspielen, Videos zum Partizipativen Projekt „Blick’s Mal“, aktuelle Themen zum Festival und ab Freitag auch Festivaleindrücke. Ich würde mich freuen, wenn ihr dort einmal vorbeischaut, ihr findet uns unter https://www.tiktok.com/@augenblickmal_festival.
Du hast großes Interesse am Theater, aber nur wenig Vorwissen?
Super! Du darfst dir einen Theater-Profi aussuchen, mit dem du zusammen beim AUGENBLICK MAL! Festival ein Stück anschaust. Im Anschluss könnt ihr euch dann über das Gesehene austauschen.
Du spielst Theater oder arbeitest sogar dort und hättest Lust, dein Wissen zu teilen?
Auch super! In unserem Tandem-System wird dir jemand zugewiesen. Im Anschluss an den gemeinsamen Theaterbesuch gehen alle Tandems gemeinsam etwas essen.
Interessierte jeden Alters und jeder Herkunft sind herzlich willkommen. Du kannst dich alleine oder zu zweit mit einem Freund/einer Freundin für ein Tandem anmelden.
Anmeldung für Jugendliche ohne Theatererfahrung & jugendliche Theaterprofis: Bitte schreib eine Mail an Kris Grün (k.gruen@augenblickmal.de), in der du kurz erzählst, wer du bist und welche AugenblickMal! Stücke du gerne sehen würdest. Für ausgesuchte Vorstellungen können wir jeweils maximal 2 Freikarten bereitstellen:
Robin und die Hoods: Sonntag 16 Uhr
Bambi & Die Themen: Samstag 20 Uhr & Sonntag 15 Uhr
A HUMAN RACE – THE RITE OF KRUMP: Montag 20 Uhr & Dienstag 16.30 Uhr
Body Boom Boom Brain: Freitag 20.15 Uhr & Samstag 17 Uhr
Anmeldung für erwachsene Theater-Profis: Bitte schreib eine Mail an Kris Grün (k.gruen@augenblickmal.de), in der du kurz erzählst, was du am Theater machst und warum du Lust hättest, mit jungen Menschen Theater zu schauen. Schreibe bitte außerdem, zu welchem Augenblick Mal!-Stück du schon eine Karte hast und gerne im Tandem gehen würdest. Für Erwachsene können wir leider keine Freikarten bereitstellen.
THEATERFORTBILDUNG FÜR LEHRER*INNEN ALLER SCHULFORMEN
Vier Berliner Kinder und Jugendtheater – Theater an der Parkaue, Theater Strahl, ATZE Musiktheater und GRIPS Theater – laden gemeinsam zu einer das Festival begleitenden Fortbildung ein. Wir kommen mit Kindern, Jugendlichen und Theaterschaffenden in Kontakt und setzen uns mit Adultismus, Barrieren und Ausschlüssen im Theater auseinander. Gemeinsam erlebte Aufführungen, Gespräche und Workshops sowie theaterpädagogische Praxis vermitteln Methoden für Theater im schulischen Kontext.
Die Fortbildung richtet sich an theaterbegeisterte und theaterneugierige Lehrer*innen. Für die Teilnahme sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Das gesamte Fortbildungsprogramm ist kostenlos (inkl. Vorstellungsbesuche). Die vollständige Teilnahme an allen Fortbildungstagen ist obligatorisch.
Diese Veranstaltung wird von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie als Lehrkräftefortbildung anerkannt.
Fortbildungsnummer: 23.1-110735
Die Fortbildung wird durchgeführt von:
Soraya Reichl (Theater an der Parkaue), Joanna Mandalian (Theater Strahl), Anna-Sophia Fritsche (GRIPS Theater) und Anne Keil (ATZE Musiktheater)
Ansprechperson, Informationen und Anmeldung:
Anna-Sophia Fritsche (GRIPS Theater) | anna-sophia.fritsche@grips-theater.de
Programm
Fortbildungszeiten:
- Freitag, 21.04: 09:00 –17:30 Uhr
- Samstag, 22.04.: 10:00 – 13:00 Uhr
- Montag, 24.04.: 14:00 – 18:00 Uhr
- Dienstag, 25.04.: 14:00 – 18:00 Uhr
Vorstellungsbesuche im Rahmen der Fortbildung:
- Freitag, 21.04., 10:00 Uhr DINGE DINGEN (FELD Theater), 14:30 Uhr MASTER OF DESASTER (GRIPS Podewil / Innenhof)
- Montag, 24.04., 15 :00Uhr ROBIN UND DIE HOODS (Festivalzentrum Theater Strahl Ostkreuz)
optionale weitere Vorstellungsbesuche:
- Samstag, 22.04., 17:00 Uhr BODY BOOM BOOM BRAIN (Theater an der Parkaue)
- Montag, 24.04., 11:00 Uhr BODY BOOM BOOM BRAIN (Theater an der Parkaue
| Soraya Reichl (sie/ihr) Künstlerische Vermittlung und Partizipation Pauri.Roewert@parkaue.de Theater an der Parkaue – junges Staatstheater Berlin Parkaue 29, 10367 Berlin | Joanna Mandalian (sie/ihr) Theaterpädagogik j.mandalian@theater-strahl.de Theater Strahl Berlin Martin-Luther-Str. 77, 10825 Berlin |
| Anna-Sophia Fritsche (sie/ihr) Theaterpädagogik anna-sophia.fritsche@grips-theater.de GRIPS Theater Berlin Altonaer Str. 22, 10557 Berlin | Anne Keil (sie/ihr) Theaterpädagogik a.keil@atzeberlin.de ATZE Musiktheater Luxemburger Straße 20, 13353 Berlin |
Wir suchen dich für‘s AUGENBLICK MAL! Festival!
Hast du Lust Theaterstücke anzuschauen und dich mit anderen darüber auszutauschen? Bist du zwischen 8 und 12 Jahre alt und willst intensiv in ein Theaterfestival für Kinder eintauchen? Dann bist du bei der Gruppe „BLICK‘S MAL“ genau richtig!
Du bist eingeladen, das Festival AUGENBLICK MAL! zusammen mit anderen Kindern mitzugestalten und dir alle Theaterstücke für Kinder kostenlos anzuschauen. Gemeinsam sind wir auf dem Festival unterwegs, gestalten unseren eigenen Raum und denken uns einen Workshop für Erwachsene aus.
Weitere Informationen und Anmeldung: laura-mirjam.walter@grips-theater.de und pauri.roewert@parkaue.de
Anmeldeschluss: 26.2.23
Ein Projekt des AUGENBLICK MAL! Festivals in Kooperation mit GRIPS Theater und Theater an der Parkaue.
Kindertheater
Julia Keren Turbahn und Jan Rozman mit Jan Kress, Berlin
Kooperationspartner: FELD Theater Berlin, Emanat Ljubljana, Puppentheater Ljubljana
DINGE DINGEN
Autor*in: Julia Keren Turbahn, Jan Rozman
vorschlag:hammer, Duisburg
Kooperationspartner: KOM'MA Theater Duisburg, Ballhaus Ost Berlin
Frederick die Maus
Autor*in: nach Leo Leonni; Regie: vorschlag:hammer
Theater o.N., Berlin
Kooperationspartner: Produziert von der Offensive Tanz für junges Publikum Berlin
HARVEST
Autor*in: Ensembleproduktion; Regie: Isabelle Schad
Theater Marabu, Bonn
Master of Desaster
Autor*in: Ensembleproduktion; Regie: Ensembleproduktion
pulk fiktion, Köln
Kooperationspartner: FFT Düsseldorf, Freies Werkstatt Theater Köln, Theater M. a. Ruhr und das LOT Braunschweig
Robin und die Hoods
Autor*in: Ensemble; Regie: Marcus Thomas
Jugendtheater
TANZKOMPLIZEN - Produktions- und Spielstätte, Berlin
Kooperationspartner: Eine Produktion von TANZKOMPLIZEN im Rahmen der Offensive Tanz
A HUMAN RACE - the rite of Krump
Autor*in: Grichka Caruge; Regie: Grichka Caruge & Ensemble
Junges Schauspiel D'haus, Düsseldorf
Bambi & Die Themen
Autor*in und Regie: Bonn Park
PINSKER+BERNHARDT, Offenbach
Kooperationspartner: Künstler*innenhaus Mousonturm, Junges Nationaltheater Mannheim
Body Boom Boom Brain
Autor*in und Regie: PINSKER+BERNHARDT (Janna Pinsker und Wicki Bernhardt)
Piccolo Theater Cottbus, Cottbus
Die Verdunkelung II - Coronaleuchten
Autor*in: Eigenproduktion des Jugendklubs; Regie: Matthias Heine
Theater an der Ruhr, Mülheim an der Ruhr
Kooperationspartner: FFT Düsseldorf
Lyriks ... von Unendlichkeit umarmt
Autor*in und Regie: subbotnik
Alle hier aufgeführten Angaben zu Titeln, Autor*innen, Beteiligten und Kooperationspartnern basieren auf den im Vorschlagsverfahren von den Theatern eingegebenen Daten zu den eingereichten Produktionen.
Glückwunsch an alle Ensembles und Beteiligten!
Alle hier aufgeführten Angaben zu Titeln, Autor*innen, Beteiligten und Kooperationspartner*innen basieren auf den im Vorschlagsverfahren von den Theatern eingegebenen Daten zu den eingereichten Produktionen.
Wir bedanken uns bei unserem Kuratorium Antigone Akgün, Malte Ketel Andritter, Dr. Dorothea Lübbe, Elena Philipp und Winfried Tobias und der beratenden "Vertretung für junge Perspektiven" für die Sichtung der weit über 200 Einreichungen!
Wir freuen uns sehr, diese Inszenierungen vom 21. – 26. April 2023 in den Häusern unserer Kooperationspartner*innen ATZE Musiktheater, GRIPS Theater, Theater an der Parkaue - Junges Staatstheater Berlin und Theater Strahl Berlin zu zeigen!
Ursprünglich waren wir nur eine empörte Jugendredaktion.
Nachdem unser Aufschrei über das AUGENBLICK MAL! 2021 dazu führte, dass wir auf Bitten des Konzeptionsteams und der Leitung in die Festivalstrukturen integriert wurden, mussten wir auch erstmal herausfinden, wer wir innerhalb dieser Strukturen sein wollten. Sind wir die, die nerven, die, die mitkuratieren, die, die ihr eigenes Programm machen? Wir sind die Vertretung für junge Perspektiven im AUGENBLICK MAL! Festival und verstehen uns als Stimme der Jugend in den Diskussionen in und um das Festival. Das bedeutet auch: wir müssen gegen vieles gehen, was bisher so passiert ist und entschieden wurde, denn wir sind einem aktivistischen Anspruch verbunden. Uns ist dabei klar, dass wir nur begrenzte Perspektiven haben und als Gruppe relativ homogen sind. Wir wollen das Festival so zugänglich wie möglich für alle machen und setzen dabei auf einen Diskurs auf Augenhöhe und eine offene Auseinandersetzung. Besonders wichtig ist uns, dass das Kinder- und Jugendtheater nicht ausschließlich von erwachsenen Theaterschaffenden gemacht und diskutiert wird, sondern Kinder und Jugendliche als Expert*innen in eigener Sache in der Szene etabliert werden müssen. Wir wollen die bestehenden Strukturen im Kinder- und Jugendtheater hinterfragen und die Art, wie Theater gemacht, geschaut und beredet wird, verändern.
Selbst-Interview
Was wäre für euch ein ideales Festival 2023? Wie müsste es sich anfühlen? Was sollte nach seinem Ende bleiben?
Lena: Ein offener Raum ohne Grenzen! Das Gefühl, dass man an jedem Gespräch teilhaben kann und wahrgenommen und anerkannt wird. Und am Ende eine noch größere Begeisterung für das Theater als vorher.
Nicole: Ein safespace und Begegnungsort für Theaterkenner und Theaterneulinge. Ein Ort zum Wohlfühlen. Und am Ende sollten Freude und Erinnerung an tolle Stücke und Menschen verbleiben 🙂
Jana: Ein Festival auf dem wir gemeinsam herausfinden, was es bedeuten kann tatsächlich auf Augenhöhe miteinander über Theater zu sprechen und wir versuchen Antowrten darauf zu finden, was die Aufgabe von Kinder- und Jugendtheater in diesen Zeiten ist.
Mariella: Ein Festival für alle. Fürs Fachpublikum und für Kinder und Jugendliche. Ein sicherer Ort ohne Ausgrenzung. Am Ende sollen unsere Köpfe voll mit tollen Erinnerungen sein, sodass wir uns aufs neue Festival noch mehr freuen.
Thalia: Ein Ort an dem Kinder und Jugendliche kostenlos und ohne Schwellen mit Theater und Kunst in Berührung kommen können. In Räumen, die für Kinder und Jugendliche gemacht sind (offene Türen, Türklinken und Sitze auf Kindergrößen angepasst) und in denen mit der Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen geplant wird (rumrutschen/rumklettern ist nicht stören, reinrufen ist okay, rausgehen ist ok). In denen die Art wie Kinder und Jugendliche die Welt wahrnehmen und welche Bedürfnisse sie an sie haben kein Nachgedanke ist und sie sich gesehen, verstanden und aktiv wertgeschätzt fühlen können, auf Weisen, die sie in ihrem normalen Alltag nicht erleben.
Florian: Spannung, Abwechslung, Kreativität, Gewagtes, aber auch Umstrittenes.
Insbesondere der Austausch, auf verschiedenen Ebenen, zwischen den verschiedenen Besuchergruppen, sollte das besondere Feeling Theaterfestivals ausmachen.
Wenn ihr für AM! sichtet, nach was sucht ihr dann?
Lena: Nach den Erlebnissen, die ich gerne gehabt hätte, als ich noch mit meiner Schule ins Theater gegangen bin. Nach Stücken, aus denen vielleicht nicht nur bewährte Theatre Kids etwas ziehen können.
Nicole: Ich suche nach etwas, das Kinder und Jugendliche wirklich anspricht, und sich nicht nur an den Klischees der Gen Z bedient.
Mariella: Für mich ist einer der wichtigsten Punkte, dass mir nicht langweilig wird und ich Spaß habe beim Zuschauen. Außerdem ist mir wichtig, dass Kinder und Jugendliche auf der Bühne authentisch gezeigt werden und man keine Klischees über Jugendliche reproduziert.
Thalia: Ich suche immer wieder danach, mich selbst oder mein inneres Kind auf der Bühne zu sehen. Ich will, dass unsere Geschichten erzählt werden. Wenn mir jemand versucht etwas zu erklären schalte ich ab.
Florian: Ich suche keine "0815 - Stücke", die die typischen (bewährten) Stilmittel des Theaters nutzen, sondern überraschendes und neues, welches in Erinnerung bleibt. In meiner Erfindung sind Stücke, an denen ich mich am nächsten Morgen nicht erinnern kann, ungeeignet für ein Theaterfestival. Ebenfalls habe ich einen besonderen Schwerpunkt auf die Nachhaltigkeit eines Stückes, also ich Suche dieses Gefühl, mit Freunden darüber zu sprechen. Und den ganzen Abend, und nächsten Tag nachdenken muss, dann hat dieses Stück alles richtig gemacht.
Was war dein schönster AM! Moment? / Schönster Moment in der Arbeit der Vertretung für junge Perspektiven?
Lena: Unsere Live-Treffen in Marburg und Bremen! Die waren immer interessant, erkenntnisreich und haben vor allem sehr viel Spaß gemacht!
Nicole: Der Moment, in dem die Vertretung für junge Perspektiven "gegründet" wurde - ich hätte nie davon geträumt, Teil von sowas Großartigen zu sein!
Jana: Die Menschen! Es ist immer wieder so bereichernd -gerade mit meinen Mitvertreter*innen, darüber zu sprechen, was uns beschäftigt und was unsere Ideen sind, es besser zu machen und dann damit zu beginnen, das umzusetzen.
Mariella: Der Moment wo ich alle zum ersten Mal live gesehen hab und alle so aussahen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich find es auch toll, wenn ich das Gefühl hab, dass unsere Meinungen gehört werden, dass macht mich einfach Glück!
Thalia: Jedes Mal wenn ich das Gefühl habe, dass Kritik zu tatsächlicher Veränderung führt. Das passiert nicht regelmäßig, aber es ist schon passiert und gibt mir Hoffnung für die Zukunft von AUGENBLICK MAL!
Dass bei einem Festival für junges Publikum, auch das jüngere Publikum mitentscheiden kann und sich aktiv einbringt und etwas bewirkt.
Wie habt ihr eure Position/ Arbeit im letzten Festival 2021 wahrgenommen?
Lena: Es war toll, um das Festival kennenzulernen. Aber so lieb und "handzahm" wie damals wären wir heute wahrscheinlich nicht mehr 😀
Nicole: Die Arbeit im letzten Festival hat super viel Spaß gemacht und war für mich augenöffnend bezüglich der Strukturen im Theater die man als Zuschauer nicht sieht.
Jana: Es schien mir damals eine riesengroße Ehre, dort sein zu dürfen in einer schreibende Position. Jetzt stehen wir vor dem nächsten Festival und fordern tatsächliche Teilhabe von uns Jugendlichen und Kindern, statt netten Artikeln.
Mariella: Ich fand es toll das Festival so kennenzulernen. Ich glaube wir waren noch sehr zurückhaltend und ich denke, dass sind wir jetzt nicht mehr.
Thalia: Für mich hat es sich damals angefühlt wie Tokenism um Partizipation zu suggerieren ohne Kinder und Jugendliche im Festival tatsächlich ernstzunehmen und zu empowern. Das zeigte sich für mich durch das Kuratorium und die eingeladenen Stücke, die Festivalzeiten, die Art wie über die Hingucker*innen gesprochen und wie die Beiträge gezeigt wurden und dadurch, wie mit Kindern und Jugendlichen in den Diskussionsformaten umgegangen wurde. Überraschenderweise konnten wir dann darüber sprechen und ich durfte darüber schreiben. Das war für mich ein sehr wichtiger Schritt von Seiten des Festivals.
Was hat euch bewegt die Vertretung für junge Perspektiven zu gründen?
Lena: Das Gefühl, nicht zu verstehen und nicht verstanden zu werden!
Nicole: Der Wunsch nach Gleichberechtigung.
Jana: Das Unverständnis darüber, dass Erwachsene entscheiden, was für mich relevant sein soll.
Mariella: Wenn ich in einem Nachgespräch sitze und ich das Gefühl hab, dass sich hier alles nur um die Erwachsenen dreht und deren nächsten Anstellung am Theater.
Thalia: Nach Verbitterung ein Gefühl von Neugierde, ob wir es wirklich besser machen können und dürfen.
Was macht für euch das Besondere am Theater aus?
Lena: Die Begegnungen. Die Energie. Das An-den-Moment-gebunden-sein.
Nicole: Vor allem das Live-Sein und Zusammenspiel mit dem Publikum, aber auch die Macht, zu unterhalten und zu bewegen können.
Jana: Der Moment in dem Geschichten Wirklichkeit werden können für einen kurzen Moment, den das Theater immer wieder durch seine Bilder und Worte erschafft.
Mariella: Ich liebe es Menschen zu zuhören und zu sehen mich einfach fallen zulassen und die Energie der anderen Menschen zu spüren.
Thalia: 6 Wochen intensive Teamarbeit, für einen Live-Moment. Ich fühle mich selten intensiver verbunden mit dem was Zusammenleben bedeutet.
Florian: Das letzte Festival war eine Reise, eine fantasievolle Reise, mit tollen Menschen und der tollen Erfahrung, über die Stücke zu schreiben und seine Meinung äußern zu können, und nun beginnt das nächste Abenteuer; als Vertreter für junge Perspektiven.
von Annett Israel
Was für eine Spielzeit 2020/21! Viele Theater mussten pandemiebedingt lange Zeit geschlossen bleiben. Vorproduziert wurde trotzdem. Vielerorts wurde digital oder Open air gespielt. Indoor waren hausinterne „Premieren“ ohne junges Publikum die Regel. Dann gegen Spielzeitende: die Erlösung. Endlich durften die Theater wieder in ihre Räume und Säle einladen, wenn auch für deutlich reduzierte Besucher*innenanzahlen. Je nach Größe der Zuschauerräume verloren sich ein, zwei oder auch mal drei Schulklassen darin. Mit Spielzeitbeginn 2021/2022 folgten Premierendruck und wenige Spieltermine. Unzählige Vorstellungen mussten wegen Erkrankungen und Quarantänebestimmungen eilig umbesetzt werden oder fielen wegen Absagen von Zuschauer*innengruppen gleich ganz aus. Eine schwierige Situation, die die meisten Theater über die Spielzeit begleitete und die auch den Sichtungsprozess der fünf Kurator*innen Antigone Akgün, Malte Andritter, Dorothea Lübbe, Elena Philipp und Winfried Tobias heftig beeinflusste. Manche geplante Sichtungsreise musste kurzfristig entfallen, vorgeschlagene Inszenierungen konnten nur von einzelnen Kurator*innen oder gar nicht vor Ort gemeinsam mit einem Publikum erlebt werden. So vertrauten sie in ihren Diskussionen vielfach auf jene Eindrücke, die sich aus der Sichtung der von den Theatern, freien Gruppen, Kollektiven und Solokünstler*innen eingereichten Videos ergaben.
Begleitet wurden die Kurator*innen in ihrem Sichtungsprozess, der im Januar 2022 begann, von fünf jungen Menschen, hervorgegangen aus der Redaktionsgruppe der Hingucker*innen – allesamt Jugendliche, die das kurzfristig in digitale Räume verlegte Festival 2021 schreibend kritisch begleitet hatten. In ihren Texten hatten sie deutlich angemahnt, dass junge Perspektiven auf die Auswahl der Gastspielproduktionen und in den Diskussionen fehlten. Das AUGENBLICK MAL!-Konzeptionsteam lud alle Hingucker*innen ein, ihre Perspektiven in den Sichtungsprozess und die Konzeption des Rahmenprogramms des bevorstehenden Festivals einzubringen. Nicole Etschberger, Florian Hecht, Jana Oehlerking, Mariella Pierza, Lena Riemer und Thalia Schöller folgten der Einladung und nannten sich als Gruppe fortan Vertretung für junge Perspektiven. In einem gemeinsamen Experimentierraum mit den fünf Kurator*innen – die sich allesamt auf das Abenteuer eingelassen hatten – handelten sie möglichen Formen der Jugendbeteiligung aus. Sie trafen im Sichtungszeitraum immer wieder mit den Kurator*innen zusammen und vertraten ihre Sichten, Eindrücke, Haltungen, Wünsche in digitalen Gesprächsräumen, während gemeinsamer Video-Watch-Partys oder in Marburg und Bremen, wo sie mit den Kurator*innen Festival-Aufführungen besuchten und ihre Seherfahrungen teilten. Auf Spaziergängen, in kleinen Gruppen oder in großer Runde wurden Kriterien für die Diskussion von Aufführungen ausgetauscht und ebenso diskutiert wie die individuellen Vorstellungen für ein gelungenes Festival des Theaters für junges Publikum.
Mehr als 200 gültige von Theatern, freien Gruppen, Kollektiven und Solokünstler*innen eingereichte Vorschläge haben die fünf Kurator*innen mehrfach gesichtet. Mit 50 Inszenierungsvorschlägen gingen die Kurator*innen am 15. September in die Diskussion um die Longlist. Am Ende des Tages waren es 30 Produktionen, die sie für die finale Auswahldiskussion über die zehn Gastspiele von AUGENBLCIK MAL! 2023, die Anfang Oktober stattfinden wird, nominieren wollen.
Was hier veröffentlicht wird, ist ein Zwischenergebnis im Diskussionsprozess über jene zehn Produktionen, die schließlich vom 21. bis 26. April 2023 zu AUGENBLICK MAL! Das Festival des Theaters für junges Publikum nach Berlin eingeladen werden. Es würdigt, die Relevanz der Themen, die Genrevielfalt, das Diversitätsbewusstsein, die aufrichtige Haltung zum jungen Publikum, die Sichtbarkeit junger Perspektiven, die Zeitgenossenschaft, den Mut zum Risiko, den Humor und die Qualität, mit denen vielerorts in Deutschland unter unterunterschiedlichsten Produktionsbedingungen darstellende Kunst für junges Publikum entsteht und gezeigt wird.
Die nominierten Produktionen für die Endauswahl der Gastspiele für das Festival des Theaters für junges Publikum AUGENBLICK MAL! 2023 sind in der Reihenfolge der eingereichten Vorschläge:
Julia Keren Turbahn + Jan Rozman, Berlin
Kooperationspartner: FELD Theater Berlin, Emanat Ljubljana, Puppentheater Ljubljana
DINGE DINGEN
Autor*in: Julia Keren Turbahn, Jan Rozman
vorschlag:hammer, Duisburg
Kooperationspartner: KOM'MA Theater Duisburg, Ballhaus Ost Berlin
Frederick die Maus
Autor*in: nach Leo Leonni; Regie: vorschlag:hammer
pulk fiktion, Köln
Kooperationspartner: FFT Düsseldorf
Robin und die Hoods
Autor*in: Ensemble; Regie: Marcus Thomas
GRIPS Theater gGmbH, Berlin
Kai zieht in den Krieg und kommt mit Opa zurück
Autor*in: Zoran Drvenkar; Regie: Robert Neumann
Fetter Fisch - Performance l Theater, Münster
Alice im Wunderland - ein Spiel mit der Wirklichkeit
Autor*in: Ensembleproduktion frei nach Lewis Carroll, Regie: Leandro Kees
Theater Marabu, Bonn
Master of Desaster
Autor*in: Ensembleproduktion; Regie: Ensembleproduktion
HELIOS Theater, Hamm
Früh Stück
Autor*in: Michael Lurse; Regie: Michael Lurse
Junges Nationaltheater Mannheim, Mannheim
Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat.
Autor*in: Werner Holzwarth, Wolf Erlbruch; Regie: James&Priscilla (C. Minckwitz, F. Scheer, N. Schneider, A. Spalthoff, J. Tibbe)
Junges Ensemble Stuttgart, Stuttgart
Oma Monika - was war?
Autor*in: Milan Gather; Regie: Milan Gather
Theater o.N., Berlin
Kooperationspartner: Produziert von der Offensive Tanz für junges Publikum Berlin
HARVEST
Autor*in: Ensembleproduktion; Regie: Isabelle Schad
Theater Marabu, Bonn
ZusammenRaufen
Autor*in: Ensembleproduktion; Regie: Tina Jücker und Claus Overkamp
Junges Schauspiel / D'haus, Düsseldorf
Das Leben macht mir keine Angst
Autor*in: nach einem Gedicht von Maja Angelou; Regie: Liesbeth Coltof
Theater der Jungen Welt Leipzig, Leipzig
Bääätsch - Zunge raus!
Autor*in: Luise Audersch, Clara Fritsche, Julia Sontag; Regie: Luise Audersch, Clara Fritsche, Julia Sontag
MOM-MenschObjektMusik, München
CARÍNO
Autor*in: Vern Thiessen; Regie: Annette Geller
Brachvogel & Werling Freies Theater GbR, Impflingen
Kooperationspartner: Follow The Rabbit, Graz/Österreich
Kohlhaas - Moral Highground
Autor*in: Ensembleproduktion nach Heinrich von Kleist, Regie: Nadja und Martin Brachvogel
Traummaschine Inc., München
Happs Oder: Wer hat Angst vorm weißen Hai
Autor*in: Pascal Fuhlbrügge, Jochen Klüßendorf, Charlotte Pfeifer; Regie: Charlotte Pfeifer
Junges Theater Bremen, Bremen
Wie lang geht das noch?
Autor*in und Regie: Arnold&Bianka (Fabian Eyer, Valeska Fuchs, Sebastian Rest, Anne Sauvageot)
TANZKOMPLIZEN - Produktions- und Spielstätte, Berlin
Kooperationspartner: Eine Produktion von TANZKOMPLIZEN im Rahmen der Offensive Tanz
A HUMAN RACE - the rite of Krump
Autor*in: Grichka Caruge; Regie: Grichka Caruge & Ensemble
Piccolo Theater Cottbus, Cottbus
Die Verdunkelung II - Coronaleuchten
Autor*in: Eigenproduktion des Jugendklubs; Regie: Matthias Heine
pulk fiktion, Köln
Kooperationspartner: FFT Düsseldorf
Denken ohne Geländer - Hannah Arendt im Selbstversuch
Autor*in: Ensemble; Regie: Eva von Schweinitz
Manuela Neudegger, Nürnberg
Kooperationspartner: Tafelhalle im KunstKulturQuartier - Stadt Nürnberg
Berührt euch!
Autor*in: Manuela Neudegger und Ensemble; Regie: Manuela Neudegger
FFT Düsseldorf & Vonder Mühll / Thuwis / Biedermann, Düsseldorf
Kooperationspartner: Theater Sgaramusch Schaffhausen, TheaterLiechtenstein TAK Schaan, ROTONDES Luxemburg
dÄmonen
Autor*in: Nora Vonder Mühll, Ives Thuwis, Hannah Biedermann; Regie: Hannah Biedermann
Theater Strahl, Berlin
Kooperationspartner: De Dansers
Hold Your Horses
Autor*in: Ensembleproduktion: Yeli Beurskens, Guy Corneille, Yoko Haveman, Noemi Wagner, Marie Khatib-Shahidi, Liam McCall, Youri Peters, Arturo Vargas; Regie: Josephine Van Rheenen
PINSKER+BERNHARDT, Offenbach
Kooperationspartner: Künstler*innenhaus Mousonturm, Junges Nationaltheater Mannheim
Body Boom Boom Brain
Autor*in und Regie: PINSKER+BERNHARDT (Janna Pinsker und Wicki Bernhardt)
Staatsschauspiel Dresden, Dresden
Leonce und Lena
Autor*in: nach Georg Büchner in einer Fassung von Joanna Praml und Dorle Trachternach; Regie: Joanna Praml
Junges Schauspiel D'haus, Düsseldorf
Bambi & Die Themen
Autor*in und Regie: Bonn Park
Imaginary Company, Frankfurt am Main
Kooperationspartner: Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt
Die Verhandlung
Autor*in und Regie: Ensemble
K3 Tanzplan Hamburg/ Kampnagel Internationale Kulturfabrik GmbH, Hamburg
Dance Machines
Autor*in und Regie: Regina Rossi
HELLA LUX GbR, Frankfurt am Main
Kooperationspartner: jugend-kultur-kirche sankt peter, StudioNaxos
wearing heavy boots
Autor*in: HELLA LUX GbR; Regie: Liljan Halfen und Milena Wichert
Theater an der Ruhr, Mülheim an der Ruhr
Kooperationspartner: FFT Düsseldorf
Lyriks... von Unendlichkeit umarmt
Autor*in und Regie: subbotnik
Alle hier aufgeführten Angaben zu Titeln, Autor*innen, Beteiligten und Kooperationspartnern basieren auf den im Vorschlagsverfahren von den Theatern eingegebenen Daten zu den eingereichten Produktionen.
Glückwunsch an alle Ensembles und Beteiligten und Daumendrücken für die Endauswahl!
Alle für die Endauswahl nominierten Produktionen sind auf www.kjtz.info mit einem violetten Stern hervorgehoben.
Die zehn von den Kurator*innen ausgewählten Gastspiele für AUGENBLICK MAL! 2023 werden auf www.kjtz.co und auf www.augenblickmal.de am 12. Oktober 2022 veröffentlicht.

Foto: Annett Israel
AUGENBLICK MAL! ist das einzige bundesweite Festival des Theaters für junges Publikum in Deutschland. Als Plattform für herausragende Inszenierungen und unterschiedliche Positionen in den darstellenden Künsten für junges Publikum fördert das Festival seit über 30 Jahren die Entwicklung des Kinder- und Jugendtheaters.
Alle zwei Jahre zeigt AUGENBLICK MAL!zehn impulsgebende Inszenierungen aus Deutschland. Im Diskursprogramm werden Räume für Reflexion und Austausch über die ästhetische, politische und gesellschaftliche Verortung der Darstellenden Künste in Beziehung zum jungen Publikum geschaffen.
Die nationale Plattform des Theaters für junges Publikum bietet dem Fachpublikum aus Deutschland und dem Ausland neben den Gastspielen Raum für künstlerischen Austausch und Reflexion.
AUGENBLICK MAL! 2023 findet vom 21. bis 26. April 2023 in Berlin statt.
Vom 1. Oktober 2021 bis zum 15. August 2022 nimmt das Kinder- und Jugendtheaterzentrum auf dieser WebseiteVorschläge für das Festival AUGENBLICK MAL! 2023 entgegen.
Download
OPEN CALL für AUGENBLICK MAL! 2023 (PDF)
Links
Link zum Online-Formular
Link zum Erklärvideo | Bewerbungsmaterial hochladen
Wer kann Vorschläge einreichen?
Professionelle Theater aller Sparten, Gruppen und Akteur*innen der Darstellenden Künste in Deutschland (im folgenden Theater genannt), die für junges Publikum produzieren, sind aufgerufen, eigene Bühnenproduktionen vorzuschlagen. Ebenfalls vorgeschlagen werden können digitale Produktionen, wenn sie originär für den virtuellen Raum erfunden wurden und nicht Übertragungen konventioneller Theaterproduktionen ins Digitale sind. Die Vorschläge sollen beispielhaft für das Verständnis der Vorschlagenden von den Darstellenden Künsten für junges Publikum sein.
Welche Inszenierungen können vorgeschlagen werden?
Jedes Theater darf insgesamt zwei Kindertheater- und zwei Jugendtheaterinszenierungen vorschlagen, die in den Spielzeiten 2020/2021 und 2021/2022, also im Zeitraum vom 01.08.2020 bis zum 31.07.2022 Premiere hatten. Als Premiere gelten auch interne Premieren und nichtöffentliche Voraufführungen.
Was muss eingereicht werden?
Die Daten zu den Vorschlägen werden über ein Online-Formular auf der Seite www.kjtz.info erfasst und eingereicht. Mit den Vorschlägen muss eine aussagekräftige und technisch einwandfreie Videoaufzeichnung im mp4-Format sowie weiteres Material (Inszenierungsfotos, Presseausschnitte, Programmheft, theaterpädagogisches Begleitmaterial etc.) eingereicht werden.
Welche weiteren Bedingungen sind zu erfüllen?
Das vorschlagende Theater versichert mit dem Vorschlag, dass die Produktion im Falle der Auswahl für den gesamten Zeitraum des Festivals vom 21. bis 26. April 2023 für ein Gastspiel in Berlin verfügbar sein wird.
Im Falle einer Einladung zum Festival wird der Gastspielvertrag mit dem vorschlagenden Theater geschlossen.
Das vorschlagende Theater sichert im Sichtungszeitraum ausreichend Sichtungstermine zu.
Wie reiche ich einen Vorschlag ein?
- Rufen Sie die Webseite www.kjtz.info auf und wählen Sie im Menü AUGENBLICK MAL! ! 2023 den Unterpunkt „Online-Formular“ aus.
- Füllen Sie das Online-Formular vollständig aus und senden Sie es ab.
- Sie erhalten per E-Mail eine Eingangsbestätigung. In dieser E-Mail finden Sie alle Daten, die Sie im Formular eingegeben haben. Bitte überprüfen Sie, ob diese richtig und vollständig sind.
- Mit dieser E-Mail erhalten Sie zugleich die Aufforderung einen Link anzuklicken und so die Einrichtung Ihres Zugangs zur KJTZBOX freizuschalten. Sie erhalten nun zwei weitere E-Mails mit Ihren Zugangsdaten für die KJTZBOX. Eine E-Mail enthält den Link zur KJTZBOX und die andere das Passwort für Ihre Anmeldung.
- Melden Sie sich in der KJTZBOX an und laden Sie bitte eine vollständige, aussagekräftige und technisch einwandfreie Aufzeichnung der vorgeschlagenen Inszenierung im mp4-Format sowie weiteres Material (z.B. Inszenierungsfotos und Presseausschnitte) hoch. Eine Hilfestellung für das Hochladen Ihres Videos und weiterer Dateien finden Sie unter dem Unterpunkt „Hilfe“ im Menü AUGENBLICK MAL! 2023 auf der Webseite www.kjtz.info.
- Sobald Sie die Videodatei und weiteres Inszenierungsmaterial erfolgreich in der KJTZBOX hochgeladen haben, wird Ihr Vorschlag von unserer Redaktion geprüft und für den Sichtungsprozess der Kurator*innen freigeschaltet.
- Nach der Freischaltung erscheint Ihr Vorschlag unter dem Untermenü „Vorschläge Kindertheater“ oder „Vorschläge Jugendtheater“ im Menü AUGENBLICK MAL! 2023 auf der Website www.kjtz.info. Alle freigeschalteten Vorschläge werden in der Reihenfolge ihres Eingangs veröffentlicht.
Bitte beachten Sie: Die von Ihnen eingereichten Inszenierungsmaterialien und Medien werden nach Abschluss des Auswahlverfahrens im Zeitgenössischen Archiv des KJTZ aufbewahrt und unter Beachtung der urheberrechtlichen Bestimmungen für Nutzer*innen zugänglich gemacht.
Wie wird entschieden?
Alle vorgeschlagenen Inszenierungen werden von den Kurator*innen zunächst per Video gesichtet. Voraussetzung für eine Einladung zum Festival ist die Live-Sichtung durch mindestens drei Kurator*innen. Ab Januar 2022 beginnen die Kurator*innen mit den Sichtungsreisen.
Im September 2022 treffen die Kurator*innen eine Zwischenauswahl von nominierten Inszenierungen, die für eine Einladung in Frage kommen. Die betreffenden Theater werden darüber informiert und aufgefordert, kurzfristig weitere Informationen zu einem möglichen Gastspiel während des Festivals in Berlin wie detaillierte Bühnenpläne und Kostenkalkulationen zur Verfügung zu stellen.
Die Zwischenauswahl wird auf www.kjtz.info veröffentlicht.
Anfang Oktober 2022 treffen die Kurator*innen die finale Auswahl von fünf Inszenierungen für Kinder und fünf Inszenierungen für Jugendliche. Im Anschluss gibt das KJTZ die Einladungen für AUGENBLICK MAL! 2023 bekannt.
Von Thalia Schoeller
Nachdem Arne Vogelgesang auf der Bühne gesagt hat, dass Theater nichts tun kann, wurde sich im Chat unter den Zuschauenden ganz fleißig gefragt, was Theater denn tun kann. Und wieder mal wurde deutlich: auf diesem Festival ist mehr Fachpublikum als junges Publikum. Ich habe mich nach dem Stück erschlagen gefühlt. Ich glaube jedem, dem diese Flut von Informationen in der Form nicht neu ist, fühlt sich danach erschlagen. Man ist im bum-Teil des babum babum babum. Man macht dann schon irgendwann irgendwie wieder weiter, aber nicht hoffnungsvoll. Euer Weitermachen sieht anders aus als unseres. Ihr habt Berufe, Berufungen, Kinder. Wir entscheiden uns jetzt für eine Kariere an deren Höhepunkt wir nicht mehr kommen können und gegen Kinder. Mit dieser unterdrückten aber fundamentalen Hoffnungslosigkeit wächst eine Generation heran, die ihre depressiven Episoden faktisch unterfüttern kann. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich Krieg erleben werde. Ich weiß, dass ich den Zusammenbruch von Systemen erleben werde. Ich weiß, dass ich klimatische, gesellschaftliche und körperliche Extremzustände erleben werde. Und obwohl ein Kinderwunsch das stärkste und konsistenteste Gefühl ist, das ich kenne, weiß ich, dass ich keinem Kind die Lebensumstände antun möchte, in die die Kinder unserer Generation geboren werden würden. So denke ich über Kinder nach. Wenn ihr über Kinder nachdenkt macht ihr Fennymore. Es wird Zeit für euch erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen - zumindest gedanklich - und sich nicht ständig von dem Wissen um die Welt abzulenken. Macht es wie eure Kinder. Dann können wir wieder reden.
Ich rede nicht mehr mit Menschen, die sagen, dass ich noch Zeit habe. Ich rede nicht mehr mit Menschen, die sagen, dass unsere Generation die Welt retten wird. Ich rede nicht mehr mit Menschen, die sagen, dass ich einen Schulabschluss, ein Studium, dann 3 Jahre Berufserfahrung brauche um gesellschaftlich relevant zu sein. Und ja, ich will immer noch ins Theater. Und dort gesellschaftlich relevant sein. Und ich hab meine 3 Jahre Berufserfahrung neben der Schule gemacht, weil ich eben keine Zeit mehr habe. Und es ist schwer ins Theater zu kommen, wenn man nicht mehr mit ignoranten Menschen sprechen will, also mache ich es eben doch und bedanke mich tausendmal für jede Möglichkeit zu sprechen und weine zuhause, alleine, ganz bitterlich, weil ich von der Elterngeneration allein gelassen werde. Denn auch meine Eltern sagen mir, dass ich noch Zeit habe. Privilegien erzeugen blinde Flecken und Menschen mit so vielen blinden Flecken haben nichts in den Führungspositionen von Theatern zu suchen. Wenn du mir die Welt erzählen willst, dann fang bitte auch mal außerhalb von Europa an. Wenn du alt bist, weiß bist, Cis bist, reich bist, able-bodied bist, männlich bist und kein Trauma hast, dann hast du blinde Flecken in allen aktuell wichtigen Diskursen. Wie soll Theater aktuell wichtig sein, wenn diese Leute weiterhin Theater machen? Und es ist nicht so als könnte man das nicht ändern. Es ist nicht so als wäre Theater inhärent nischig. All das, wovon ihr schwärmt, wenn ihr darüber sprecht was Theater alles kann, kann es wirklich. Nicht mit euch an der Spitze natürlich, aber das ginge. Wenn ihr es an Leute übergebt, die mehr über die Welt wissen als ihr, ginge das. Das was ihr wisst, habe ich in der Schule gelernt. Das bringt ihr uns bei, weil ihr denkt es sei noch relevant. Und jetzt bin ich fertig mit der Schule und fertig mit euch. Und wenn sich die Welt nicht ändert, solang die Extremzustände noch nicht eingetroffen sind, wenn ich die Welt nicht ändern darf, solang die Extremzustände noch nicht eingetroffen sind, habt ihr mir nicht nur meine Zukunft, sondern auch meine Gegenwart ruiniert. Damit habt ihr als Eltern versagt. Damit habt ihr als Kindertheatermacher*innen versagt.
Akzeptiert, dass Theater nichts tun kann. Tretet ab. Gebt uns diesen Spielplatz. Wir verdienen ihn auch. Gebt uns noch 20 schöne Jahre Leben bitte. Jetzt bitte ich euch. Jetzt bin ich wieder freundlich. I’ll strip for you if you want to. Sagt mir mit wem ich schlafen muss um inszenieren zu dürfen und ich mache es. Ich brauche unkonventionelle Lösungen, weil ich keine Zeit für den klassischen Weg habe. Bitte, bitte, bitte, liebe Theatermachende, die das lesen, lasst mich Theater machen. Präapokalyptisches Theater. Ich meine das zu 100% ernst. Bitte kontaktiert mich über thalia.schoeller@web.de. Ich werde nicht den gleichen Weg gehen können, wie ihr, weil ich nicht die gleichen zeitlichen Perspektiven habe, die ihr als Jugendliche hattet. Die Reifeprüfungen im Theater sind hart und langwierig. Deswegen ist die junge Generation von Theatermacher*innen Mitte 30. In 20 Jahren, wenn ich Mitte 30 bin, wird es Theater in der Form, die es aktuell hat, nicht mehr geben. Ich liebe Theater immer noch. So herzzerreißend stark. Bitte bitte bitte, liebe Elterngeneration in Entscheidungspositionen, ändert für uns die Spielregeln. Lasst uns mitspielen. Das ist das was ihr noch tun könnt.