AUGENBLICK MAL! 2021 • Das Festival des Theaters für junges Publikum • Wir wünschen euch ein tolles Festival!
© David Baltzer

Mr. Nobody

Junges Schauspiel / Düsseldorfer Schauspielhaus

#Jugendtheater
Wann & Wo: So 18.04. 17:00 Uhr, gather.town & Vimeo
Ab So 18.04. 20:00 Uhr, Mediathek bis 17.05.21
Altersempfehlung: 13+
Dauer: 90 Minuten (ohne Pause)

Was wäre, wenn? Das haben wir uns alle schon einmal gefragt. Für Nemo ist diese Frage mehr als ein Gedankenspiel – für ihn ist sie Realität. Denn in Mr. Nobody können alle ungeborenen Kinder vorhersehen, was in ihrem Leben geschehen wird. Kurz vor der Geburt wird dieses Wissen normalerweise von den Engeln des Vergessens gelöscht. Doch Nemo wird übersehen. Deshalb verfügt er über die besondere Gabe, alle Varianten von Entscheidungen vorauszuahnen und ganz real durchleben zu können. Welche Entscheidungen sind die richtigen?

Der Videostream lässt euch als One-Shot-Film an den Entscheidungen von Nemo teilhaben.

Als eigenständige Sparte des Düsseldorfer Schauspielhauses bietet das Junge Schauspiel zeitgenössisches Theater für alle Generationen. Es ist ein international und interkulturell aufgestelltes Autor*innen- und Uraufführungstheater. In seinen Stücken spiegelt das Junge Schauspiel die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und nähert sich brisanten gesellschaftlichen Themen. Es tritt in seinen Inszenierungen für kulturelle Vielfalt und Weltoffenheit ein. Für den Mut, sich in einer komplexen Welt nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben.

Mehr zum Stück findet ihr hier.

Für dieses Stück geben wir euch folgende Inhaltswarnungen mit:

  • Es kommt stellenweise zu lauter Musik.

 

VOTUM

zur analogen Version von
MR. NOBODY
von Patrick Wildermann

Welches Leben war noch gleich das richtige? Gute Frage. Und eine ziemlich große noch dazu. Womit sie also unbedingt ins Jugendtheater gehört, wo die Zuschauer*innen, hoffentlich zumindest, noch nicht mit diesem abgeklärten Bescheidwisser-Anspruch kommen, der sich mit der Zeit meist einstellt. Sondern mit echter Unsicherheit, sprich: Offenheit. Mit dem Zweifel, ob Entscheidungen Schicksal oder Zufall sind. Inwieweit es überhaupt in der eigenen Hand liegt, wohin der Weg führt, was aus einem wird. Denn darum geht’s ja immer: Ums zukünftige Werden, nicht ums gegenwärtige Sein.

In Jaco Van Dormaels Film „Mr. Nobody” wissen die ungeborenen Kinder schon alles, was ihnen geschieht. Allerdings kommen vor dem Welteintritt gewöhnlich die gnädigen „Engel des Vergessens“ und drücken die Delete-Taste. Bloß Nemo haben sie übersehen, weswegen der Junge das ganze Schachbrett der Existenz überblicken – und tausend Varianten durchspielen kann. Abgewiesen von Anna, verheiratet mit Elise, reich und unglücklich mit Jean. Als Poolreiniger, Moderator oder letzter sterblicher Mensch. Wir begegnen Nemo, dem Niemand, in all diesen Daseinsformen parallel. Sehen ihn als achtjähriges Kind, als 15-, 34- und schließlich 117-Jährigen, der sich an gar nichts erinnert. Interviewt von einem Journalisten, der wissen will, welches Leben denn jetzt das richtige war.

Regisseur Jan Gehler hat am Jungen Schauspiel Düsseldorf Van Dormaels Film für die Bühne neu erfunden. Er fächert – mit einem starken Ensemble – ein ganz eigenes Theateruniversum auf, in dem vor- und zurückgespult, durch die Zeit gesprungen und über die Tatsache nachgedacht werden kann, dass es das Ich nur in der Mehrzahl gibt. Dass jeder Moment Millionen Abzweigmöglichkeiten bietet, obwohl wir uns lieber Chronologien erzählen, die Sinn stiften sollen. Klar, soviel Gleichzeitigkeit kann verwirren. Aber alles führt hier zurück auf einen Moment, in dem eine Entscheidung abverlangt wird, die nicht gut oder schlecht, falsch oder richtig ist. Sondern unmöglich.

Nemo Nobody: Jonathan Gyles
Mutter/Dr. Feldheim: Natalie Hanslik
Vater/Journalist/DJ: Paul Jumin Hoffmann
Anna/Stefano: Marie Jensen
Elise/Lehrerin: Selin Dörtkardeş
Jean/Harry: Eduard Lind

Regie: Jan Gehler
Kamera: Dieter Stürmer
Bühne und Kostüm: Ansgar Prüwer
Musik: Vredeber Albrecht
Licht: Marek Lamprecht
Dramaturgie: David Benjamin Brückel
Theaterpädagogik: Matin Soofipour
Filmproduktion und Postproduction: Sandra Van Slooten und Volker Maria Engel

Regieassistenz: Fabian Rosonsky
Bühnenbild- und Kostümassistenz: Saskia Holte
Regiehospitantin: Leonie Duppke
Bühnenbild- und Kostümhospitantin: Esther Ruholl
Technische Leitung: Lothar Grabowsky
Ton: Jens Ewald
Beleuchtung: Ben Rösgen
Technik: Markus Schendera, Thomas Wildhagen
Auszubildende Veranstaltungstechnik: Vanessa Büscher
Requisite: Carsten Vogel
Maske: Silke Adams
Garderobiere: Lea Schiffer-Schulte
Englische Untertitel: VerbaVoice GmbH