Nachbereitungsformate

„Zwischen Publikum und Bühne. Vermittlungsformate für die freien darstellenden Künste“

heißt das Handbuch, welches das Performing Arts Programm Berlin (PAP) im November 2018 veröffentlicht hat: Darin werden acht experimentelle Formate der Kunstvermittlung vorgestellt, die von 2016 bis 2018 in der freien Tanz- und Theaterszene Berlins getestet und weiterentwickelt wurden. Wie können Künstler˟innen und Zuschauer˟innen sich jenseits einer Gesprächsrunde über das Erlebte austauschen? Wie kann dieser Austausch so vielfältig und experimentierfreudig gestalten werden, wie die Kunstformen, die in den freien darstellenden Künsten vertreten sind?


Bei Augenblick mal! werden folgende Formate durchgeführt:

Das unbeschriebene Blatt

von Geheime Daramturgische Gesellschaft (David Vogel, Anna-Sophia Fritsche, Jonas Feller)
Wenn die Erfahrungen eines Theaterbesuchs zu deinem persönlichen Kunstwerk werden würden, wie sähe es für dich aus? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für das Unbeschriebene Blatt. Alle Zuschauenden sind eingeladen, mit einfachen Mitteln ihre eigene Skulptur zu erschaffen und mit den anderen darüber ins Gespräch zu kommen.

Kartographie

von Geheime Daramturgische Gesellschaft (David Vogel, Anna-Sophia Fritsche, Jonas Feller)
Die Zuschauer˟innen erkunden nach der Aufführung den Bühnenraum und vermessen diesen, indem sie ihre Gedanken, Erinnerungen und Fragen auf Post-Its schreiben und diese in den Aufführungsraum kleben. Es entsteht eine gemeinsame Kartographie der individuellen
Aufführungserlebnisse, die als Ausgangspunkt für ein gemeinsames Gespräch dient.

Mobiler Nach(t)spaziergang

von Geheime Daramturgische Gesellschaft (David Vogel, Anna-Sophia Fritsche, Jonas Feller)
Der mobile Nach(t)spaziergang ist eine Einladung an das Publikum, das Aufführungserlebnis in einem Telefongespräch mit einer (noch) fremden Person spazierend nachwirken zu lassen. Wie redet man mit einer unbekannten Person, mit der man nichts teilt außer dem gerade Erlebten, über Theater?

Retrospektive Improvisation

von Alisa Tretau
Die „Retrospektive Improvisation“ ermöglicht einen Rollen- und Perspektivwechsel: Zuschauer˟innen verwandeln sich mit Hilfe von leeren Stühlen und Perücken in die Theatermacher˟innen. Sie fassen die gesehene Aufführung als eigene Arbeit auf und besprechen sie retrospektiv und improvisiert. Das Prinzip ist einfach zu lernen, macht
Spaß und verführt zu steilen Thesen.

Sag mir, wo du stehst?!

von Carolin Kister, Kai Padberg
Was habe ich gesehen? Was haben die anderen gesehen? „Sag mir, wo du stehst?!“ stellt dem Publikum Fragen und setzt es in Bewegung. Es gibt zwei markierte Felder. Jedes Feld steht für eine Antwortmöglichkeit. Ja oder Nein? Dafür oder Dagegen? Wenn sich alle positioniert haben, stellt sich die Frage: Warum stehe ich, wo ich stehe?

SichtWeisheiten

von Marie Golüke
Bei einem Theaterbesuch geht es nicht nur um das Verstehen, sondern auch um das Wahrnehmen und Erleben einer Aufführung. „SichtWeisheiten“ befördert den Austausch von verschiedenen, individuellen Wahrnehmungsweisen und Blickwinkeln auf das Gesehene. Die Zuschauer*innen sind eingeladen, mittels Karteikarten ihre Gedanken anonym mitzuteilen. Diese Sammlung an Eindrücken wird als Ausgangspunkt für eine Diskussion benutzt.



Alternativ bietet der Hildesheimer Kulturwissenschaftler Thilo Grawe zur gleichen Zeit Gespräche zu ausgewählten Inszenierungen an:

Die Inszenierungsgespräche sind wie der gemeinsame Mittagstisch oder der abendliche Ausklang am Lagerfeuer. Sie sind ein Ritual, das gemeinsam einstudiert und wiederholt wird. Bei Augenblick mal! 2019 werden sie zum gemeinsamen Ritual einer Festivalgemeinschaft, die sich jeden Mittag die Zeit nimmt, um sich über die eingeladenen Inszenierungen, die Aufführungserfahrungen und Ästhetiken auszutauschen. Dabei wird jeder Produktion mindestens 45 Minuten Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist mindestens ein˟e Kurator˟in der Festivalauswahl anwesend. Die Inszenierungsgespräche sind der Anlass, zu dem erste Eindrücke ausgetauscht, Ideen und Ansätze gesammelt und Fragen geordnet werden – mit denen die Gemeinschaft dann wieder aufs Festival entlassen werden kann, um die Gespräche andernorts weiterzuführen.