Konferenz der wesentlichen Dinge

Ein Gesellschaftspiel

pulk fiktion in Koproduktion mit LOT-Theater Braunschweig, FFT Düsseldorf, COMEDIA Theater Köln
© Julius Matuschik

Credits

Konzept pulk fiktion
Regie Hannah Biedermann, Eva von Schweinitz
Livetechnik Matthias Meyer, Sebastian Schlemminger
Assistenz & Stimme Milena Wichert
Bühnenbau One Take Toni
Produktionsleitung Zwei Eulen – Büro für Kulturkonzepte

Mit Norman Grotegut, Manuela Neudegger

www.pulk-fiktion.de

Alter 8+
Dauer 90-120 Min.

Ort und Zeit

  • 26.04 10:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 26.04 15:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 27.04 10:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 27.04 15:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 28.04 10:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 28.04 16:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 29.04 11:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 29.04 15:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 30.04 11:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
  • 30.04 15:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater

Förderer

Ermöglicht durch: flausen-young artists in residence, ein Stipendien-Modellprojekt vom theater wrede+, Oldenburg
Gefördert durch: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Stiftung Niedersachsen, Kulturamt der Stadt Köln, Fonds Darstellende Künste e.V.

Was wäre, wenn man sich seine Familie selber aussuchen könnte? Welche Freiheiten entstehen? Wer kümmert sich um wen? Eine für alle, alle für eine? Oder ganz anders? An einem großen Tisch kommt eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen zusammen, die einander nicht kennen. Familie steht auf dem Spiel. Die Verhandlung über die Grundsätze dieser neuen Gemeinschaft beginnt. Ein Lautsprecher erläutert erste Spielregeln - ob man diesen folgt oder einen anderen Weg geht, muss erst entschieden werden.

An einem Ort zwischen Theater und Spielplatz dürfen Politik und demokratische Prozesse erprobt werden, dürfen Machtverhältnisse ständig gekippt und das Verhältnis zu den unbekannten Wahlverwandten nach Gusto neu gestaltet werden. Die generationsübergreifende und interaktive Performance von pulk fiktion geht mit den Teilnehmenden auf die Suche nach der Bedeutung von Verwandtschaft, Verantwortung, Abhängigkeit und des Zusammenlebens von Kindern und Erwachsenen, das es gemeinsam zu definieren gilt.

pulk fiktion ist eine 2007 gegründete Performancegruppe aus Köln. Ein heterogener Pulk von jungen Künstler˟innen erarbeitet in unterschiedlichen Konstellationen Produktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Arbeiten befragen häufig die mediale Prägung unseres Lebens und finden darin auch ihren ästhetischen Zugang. Die Gruppe stellt sich vermehrt die Frage: wie kann ein gemeinsames Leben mit allen Generationen (aller Nationen und Kulturen) aussehen? Und damit auch: wie kann ein zeitgenössisches Theater für alle aussehen?

Konferenz der wesentlichen Dinge wurde u.a. zu WESTWIND 2015, FAVORITEN 2016, SCHÄXPIR 2017, Starke Stücke, Festival LOOSTIK, KUSS!, Marburg eingeladen. Die Produktion war für den Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis 2015 nominiert, zählte 2016 zur BestOFF Niedersachsen Auswahl und wurde mit dem Kinderjurypreis bei Hart am Wind 2016 ausgezeichnet. pulk fiktion wurde mit dem George Tabori Förderpreis 2016 ausgezeichnet.

Votum

Zwanzig Personen nehmen an einem runden Tisch Platz. Der Tisch, ausgestattet mit Mikrofonen, einer Art Telefonhörer und verschiedenfarbigen Knöpfen, erinnert an den Tisch im Filmklassiker Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb. Und möglicherweise ist die Intention der Spielemacher˟innen von pulk fiktion, den Teilnehmenden eine „zündende“ Macht zu geben.

Auf jeden Fall wird durch Anweisungen ein Spielrahmen von den Macher˟innen vorgegeben, den die Teilnehmenden durch gemeinsam entschiedene Regeln ausfüllen. Regeln, die für die Dauer des Spiels die Gemeinschaft als mögliche Familie strukturieren. Jede˟r hat die gleichen Rechte, jede˟r muss sich diesen gleichmäßig unterwerfen bzw. kann diese infrage stellen. Zusammen wird gefeiert, zusammen wird immer weiter entschieden, wie die Interaktion untereinander verlaufen soll. So weit, so gut.

Nun ist die Konferenz der wesentlichen Dinge gerade für Kinder und Erwachsene konzipiert. Und natürlich sind unter den zwanzig Teilnehmenden Kinder und ihre Eltern sowie Kinder und Erwachsene, die in irgendeiner Art eine Vormundschaft für diese inne haben. Und damit bekommen das Spiel und die gemeinsam erstellten Spielregeln einen anderen Twist. Denn je weiter die Gemeinschaft in das Spiel eintaucht, umso mehr lauern die Fallen der "Gleichberechtigung" und die Grenzen unserer "unsichtbaren" sozialen Normen: dürfen junge Menschen diese Grenzen selbst in diesem Spiel ausloten? Oder müssen die älteren Menschen in ihrer Vormundschaftsfunktion ihnen Limits setzen? Auch auf die Gefahr hin, dass die gesetzten gemeinsamen Spielregeln und die Gleichheit im Spiel gebrochen werden?

Konferenz der wesentlichen Dinge von pulk fiktion überzeugt, weil es nicht nur den Theaterraum zu einem partizipativen und interaktiven Spiel transformiert, sondern auch auf eine spielerische Art und Weise soziale Normen und Grenzen unserer Gesellschaft Stück für Stück dekonstruiert. Nicht nur die großen Fragen der Demokratie, sondern auch kleine Fragen des Umgangs mit und der Anerkennung von verschiedenen Erfahrungsgrundlagen und Lebensexpertisen werden in dieser Performance gestellt.

Votum von:

Dr. Azadeh Sharifi