Eins zu Eins

Ein Tanzduett

JUNGES.THEATERBREMEN
© Léa Dietrich

Credits

Konzept, Choreografie & Bühne Birgit Freitag
Bühne & Kostüme Léa Dietrich
Musik Michael Henn
Dramaturgie Sabrina Bohl
Licht Tim Schulten
Regieassistenz Laura Brust
Ton Ewa Gorecki

Mit Mika Nowotny, Walter Schmuck

www.theatebremen.de

Alter 10+
Dauer 60 Min.

Ort und Zeit

  • 25.04 18:30 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE / Bühne 3
    barrierefrei
  • 26.04 17:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE / Bühne 3
    barrierefrei
  • 27.04 15:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE / Bühne 3
    barrierefrei

Bühnen nehmen Körpern ihre Selbstverständlichkeit. Schweiß, Spannung, Narben, Anstrengung, Leichtigkeit – alles was uns täglich umgibt, uns ausmacht und im physischen Alltag verblasst, kann hier neu wahrgenommen, gezeigt und hinterfragt werden.
Mika ist 11 Jahre alt, Walter 32. Zwischen ihnen liegen 21 Jahre, 2 Monate und 38 Zentimeter. Auf der Bühne überprüfen sie gemeinsam, was ihre Körper ausmacht, wie sie sich verändern, wie sie wahrgenommen werden. Sie erkunden das gegenseitige Vertrauen und ihre Stärke, überprüfen Sehnsüchte, Übereinstimmungen und Diskrepanzen. Von welchem Alter erzählt unser Körper und ist diese Erzählung wahrhaftig? Ist unser Äußeres wirklich kindlich oder erwachsen oder repräsentieren wir lediglich Zuschreibungen?
In der tänzerischen Begegnung stehen sich nicht nur zwei Körper mit verschiedenen Erfahrungshorizonten gegenüber, sondern auch Bewegungsabläufe, die durch Umfeld und Persönlichkeit anders geprägt wurden. Mika und Walter begeben sich auf die Suche nach verschiedenen Männlichkeitsbegriffen, Erfahrungshorizonten und Entwicklungsstufen, die ihren Körpern eingeschrieben sind.

Mit Eins zu Eins choreografiert Birgit Freitag ein Tanzduett zwischen zwei Menschen, die beide keine Tänzer sind und gerade deshalb unbedarft den Spuren ihrer jeweiligen und gemeinsamen Bewegungen folgen können. Das tun sie ohne Scheu und mit einer Neugier, die ansteckt. Der eine begutachtet einen Körper, den er vielleicht einmal haben wird, der andere einen, den er vielleicht einmal hatte. Was wird sich noch verändern, was hat sich verändert?

Birgit Freitag arbeitet als freischaffende Choreografin. Im Jahr 2000 gründete sie für spartenübergreifende Projekte ihr eigenes Label every friday | dance production. Seit 2009 kreiert sie Soli und Duette – in einem künstlerischen Genre zwischen Bewegungs-Porträt und biografischer Fiktion. Seit 2012 ist sie als Choreografin am Theater Bremen tätig. Mit Eins zu Eins präsentiert sie ihre erste abendfüllende Produktion für JUNGES.THEATERBREMEN.

Votum

Es ist, erst einmal, eine denkbar einfache Konstellation: Ein Mann, ein Junge, ein Bühnenraum. Walter ist Schauspieler und Anfang 30. Mika ist Schüler und 20 Jahre jünger als Walter. Zwischen ihnen, gleichsam als Resonanz-, als Spielraum: die Diskrepanz aus Zeit- und Lebenserfahrung, die anderen Prämissen, die anderen Wünsche, Träume, Probleme. Nicht zuletzt: Die andere Art der Körpersprache wie auch Körper-Wahrnehmung. Der eigenen, wie der des anderen.

Jeder seine eigene Welt, könnte man sagen. Kind und Erwachsener eben. Und doch ist da zwischen den beiden alles andere als Fremdheit – wenn auch manchmal ein freundliches Befremden im gegenseitigen Mustern und Erkunden. Als suche der eine im anderen, was man werden könnte, was man einmal war und was man ist. Was verloren ging und was bewahrt werden sollte. Wer bin ich wirklich und wie nimmt man mich wahr?

Eins zu Eins umkreist das mit einem Szenenreigen, für den die Gattungszuschreibung „Tanzduett“ im Grunde zu eng greift. Und das nicht nur, weil keiner der beiden Akteure professioneller Tänzer ist. Wobei freilich auch das dazu beiträgt, dieses Stück zum klug unprätentiösen, gleichwohl hypnotischen Balanceakt werden zu lassen. Einem, zwischen Zuschreibung und Authentizität, zwischen Kindlichkeit und Erwachsensein, zwischen Ironie und Melancholie. Und einem, bei dem Musik, Dialoge, Bewegungsfolgen dann tatsächlich mal etwas erfahren, das den Namen „Verdichtung“ verdient. Was wiederum alles andere als selbstverständlich und „denkbar einfach“ ist. Und hier ohne Aufdringlichkeit berührend wirkt. Denn wie Mika und Walter auf der Bühne ganz sie selbst zu bleiben scheinen, ganz Eins zu Eins sind, zeugt von jenem Vertrauen zu- und von einer Aufmerksamkeit füreinander, die sich nicht zuletzt auf den Zuschauer – ob erwachsen oder nicht– überträgt. Und von der man durchaus auch einiges lernen kann.

Votum von:

Steffen Georgi