THE BASEMENT

DON'T TOUCH ME!

THEATER STRAHL BERLIN in Koproduktion mit DE DANSERS, Niederlande
© Joerg Metzner

Credits

Choreografie Wies Merkx
Livemusik Guy Corneille, Daan Crone (La Corneille)
Licht Werner Wallner
Produktionsleitung Cornelia Baumgart

Mit Guy Corneille, Daan Crone, Claire Lamothe, Enrico Paglialunga, Wannes de Porre, Josephine van Rheenen

www.theater-strahl.de

Alter ab 13+
Dauer 70 Min.

Ort und Zeit

  • 25.04 18:30 Uhr
    THEATER STRAHL.Halle Ostkreuz
    accessible
  • 26.04 11:00 Uhr
    THEATER STRAHL.Halle Ostkreuz
    accessible
  • 26.04 19:00 Uhr
    THEATER STRAHL.Halle Ostkreuz
    accessible

Förderer

Gefördert durch: fonds darstellende künste (3-jährige Konzeptionsförderung), FONDS PODIUM KUNSTEN PERFORMING ARTS FUND, Niederlande

Auf der Bühne begegnen sich sechs Menschen, zwei Musiker und vier Tänzer˟innen. Sich zwischen verschiedenen Stilen bewegend, zeigen sie die Schwierigkeiten und die Faszination, die das Miteinander mit sich bringt. Dabei treten sie miteinander in Kontakt, um sich sofort wieder zurückzuziehen und zu verstecken. Sie bewegen sich schnell, aggressiv, hart, aber auch langsam und leise. Sie schreien, flüstern, verletzen sich gegenseitig und kämpfen einen Kampf um Nähe und Distanz bis zur völligen Erschöpfung.

THE BASEMENT beschreibt einen Ort, an dem es dunkel ist. Es ist der Ort, an dem man sich nicht frei und offen fühlt. Ein Kellerloch, in dem eigentlich niemand lange bleiben will, aus dem man möglicherweise aber nicht (allein) hinaus findet. Das Tanzstück erzählt von Zwischenmenschlichkeit und Gefühlen, von Allein- und Zusammensein. Und auch darüber, welche Konflikte das alles mit sich bringt, wie zu viel Nähe Stress und Angst auslösen kann und wie es ohne doch nicht geht. Es verdeutlicht Prozesse des Verletztwerdens und möchte gleichsam Trost spenden, indem die Auswirkungen von Wut und Kampf aufgezeigt werden. Auf der Bühne begegnen sich die Livemusiker von La Corneille und die Tänzer˟innen gleichberechtigt und generieren im Miteinander ein eindrückliches visuelles und akustisches Erlebnis.

Die niederländische Choreografin Wies Merkx entwickelt seit über 25 Jahren Tanz für ein breites Publikum. Als Gründerin und Leiterin von De Dansers trägt sie wesentlich zur Weiterentwicklung von Tanz für junges Publikum in Europa bei. Sie entwickelte viele international erfolgreiche Produktionen, zuletzt gewann ihre Produktion R O S E S – einsam.gemeinsam (THEATER STRAHL in Kooperation mit SZENE BUNTE WÄHNE, Österreich) den IKARUS, Auszeichnung für herausragende Theaterinszenierungen für Kinder und Jugendliche.
THE BASEMENT wurde eingeladen zum Tweetakt Festival Utrecht, De Krakeling Festival Amsterdam, Zeeland Nazomerfestival, Middelburg & Terneuzen (alles Niederlande), zum THINK BIG! Festival, München und Starke Stücke Festival, Frankfurt.

Votum

Sie treiben in weiten Bewegungen durch den Raum und klemmen doch fest, verkrampft im Kellerloch ihres Selbst. Sie suchen wieder und wieder nach zwischenmenschlicher Nähe, doch sobald die sich anbahnt, erscheint sie als Beengung, wenn nicht Bedrohung. Die Gesten vom freundlichen Handausstrecken und sanften Heranziehen hin zum harschen Zupacken und wütenden Wegstoßen, sind von fataler Folgerichtigkeit. Denn die Geborgenheit einer Umarmung ist allemal auch ein Luftnehmen. Das sich aneinander Aufrichten ein Vorspiel zum gegenseitigen Niedermachen. Die Solidarität der Gruppe immer eine gegen den ausgeschlossenen Einzelnen.

THE BASEMENT zeigt eine Rotation aus Anziehen und Abstoßen, Nähe ersehnen und Distanz verteidigen. Offenbart auch die (vergeblichen) Ausbruchsversuche aus der emotionalen Einmauerung; raus aus dem Hamsterrad der Conditio Humana unserer Gegenwart, in dem die zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer gleichsam leer und heiß zu laufen scheinen. Rabiat, zart, unmittelbar entäußert sich das. Und so, wie dabei immer wieder auch im wahrsten Sinne gegen Mauern gerannt wird, geht man auf der Bühne dann auch bis an die Grenzen der körperlichen Verausgabung.

Gegen Begrenzungen rennend, an die eigenen Grenzen gehen: Man schenkt sich nichts in THE BASEMENT – und das ist ein Geschenk fürs Publikum. Wirkt doch in dieser Inszenierung, in ihrer Mischung aus choreografischer Vorgabe, Kontaktimprovisation, Kampftanz und Akrobatik, eine entscheidende Dynamik, die sich ihrerseits zwei live aufspielenden Musikern maßgeblich mit verdankt. Denn mag das Stück auch viel von Vergeblichkeit erzählen, so geschieht das doch mit einer Kraft und Energie, die sich überträgt, die ansteckt. Eine Adrenalin-Transfusion, die vielleicht Kellerlöcher sprengt, mindestens aber Verkrampfungen löst.

Votum von:

Steffen Georgi