Nightcalls

James & Priscilla in Kooperation mit theaterSCHLACHTHOF Bremen, cobratheater.cobra
© Tim Klausing

Credits

Von & Mit Mila Dargies, Janis Fisch, Karoline Kähler, Clara Minckwitz, Felix Scheer, Aishe Spalthoff, Jasper Tibbe
Bühnenbild & Instrumente Stefan Gottwill
Sounddesign Nicolas Schneider
Übersetzung & Übertitelung Kate Mcnaughton

www.jamespriscilla.de

Alter 12+
Dauer 75 Min.

Ort und Zeit

  • 29.04 11:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
    accessible
  • 29.04 19:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
    accessible
  • 30.04 18:00 Uhr
    THEATER AN DER PARKAUE im Prater
    accessible | followed by the Festival-Closing

Förderer

Gefördert durch: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Fonds Darstellende Künste, Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Waldemar Koch Stiftung

Es gibt diese zwei, die sind immer zusammen. Die Schöne und das Biest, schon immer eins und alles andere ist egal. Sie halten sich an den Händen und brechen in fremde Gärten ein. Auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge treffen sie drei merkwürdige Gestalten - einen Schrank, einen Sessel und einen Herd. Die Möbel sehen gut aus, sind neugierig – und stellen das ewige Zusammensein der beiden in Frage. Ist es immer nur zu zweit nicht langweilig?

Die Theatergruppe James & Priscilla inszeniert mit Nightcalls ein modernes Märchen und hinterfragt, was es heißt, ein Pärchen zu sein, was das mit Individualität und Selbstverwirklichung zu tun hat und wie viel Nähe man braucht. Die Bühne ist mal Wald, mal Schloss, mal Garten, aber eigentlich nur ein Kronleuchter aus Mikrokabeln an der Decke. Den Soundtrack der Inszenierung bilden zwölf Popsongs der letzten Jahre, live eingespielt von den gigantischen Möbeln mit ihren eingebauten Instrumenten und dem Pärchen an Bass und Gitarre.

James & Priscilla gründeten sich 2009 in Hildesheim und arrangieren seitdem Texte und Musik aus Popsongs als Theaterinszenierungen. Das Ergebnis kann Pop-Oper genannt werden, minimalistisches Bildertheater oder abstraktes Live-Hörspiel. Durch den gezielten Einsatz von Gestik, Mimik und Andeutungen von Tanz ersetzen sie die große Geste und erschaffen eine zeitgenössische Form von Pathos. Die Theatergruppe hat bereits an zahlreichen Festivals in Deutschland und Europa teilgenommen. Nightcalls ist ihre fünfte Produktion und wurde zuletzt zur Spurensuche 2016 in der Comedia Köln eingeladen.

Votum

Zwei Leadsänger stehen mit ihren Gitarren im Dunkel vorne auf der Bühne. Sie sprechen sparsam fragmentierte Sätze in einem sehr entspannten und coolen Ton. Als Zuschauer˟in versucht man lange Zeit vergeblich, diese Textfragmente logisch zu kombinieren, um daraus abzuleiten, in welcher Situation und an welchem Ort wir uns in dieser Inszenierung befinden. Und vor allem: welche Rolle die beiden Musiker darin einnehmen. Es dauert, aber nach und nach entfaltet sich eine absurde und surrealistische Erzählung über zwei junge Menschen, ihr ungewöhnliches Hobby und die Abenteuer, die sie dabei erleben. Das Tempo der Inszenierung erhöht sich und die Geschehnisse, so absurd sie auch sind, verdichten sich zu einer erzählerischen Logik.
Die Gruppe James & Priscilla arrangiert in ihren Inszenierungen Texte und Musik aus Popsongs. Auch Nightcalls angelt sich von Popsong zum Popsong. Dies wäre schnell langweilig, würden die Songs nicht live von verkleideten Performer˟innen gespielt werden. In Anlehnung an die Disney-Verfilmung Die Schöne und das Biest haben diese groteske Möbelkostüme gebastelt und bespielen die hierin eingebauten elektronischen Instrumente.
Nachdem man sich als Publikum amüsiert und auch kritisch-distanziert auf dieses ungewöhnliche Zusammenspiel eingelassen hat, ertappt man sich gegen Ende dabei emotional mitzugehen. In die Dramaturgie wurde, entgegen üblicher Konventionen, eine ganz klassische Katharsis eingebaut, die überraschend gut funktioniert. Plötzlich beobachtet man, wie die musizierenden Möbel einen Denkprozess über Freundschaft, Beziehungen, Opportunismus, Vertrauen und Verrat in Gang gesetzt haben. Hier hätte man und als Zuschauer˟innen verzweifelt mit ihren eigenen Gedanken zurücklassen können. Wie in einem Märchen werden wir aber doch noch zu einem Happy End geleitet.
Mit Nightcalls hat James & Priscilla eine performative Sprache gesucht, die sowohl Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene anspricht. Entstanden ist eine sehr eigene Handschrift, die popkulturelle Einflüsse aus Film und Musik mit Performance und Erzähltheater verbindet.

Votum von:

Mijke Harmsen