DIE PATEN

Turbo Pascal in Kooperation mit Heimathafen Neukölln
© Milan Benak

Credits

Konzept Turbo Pascal
Künstlerische Leitung Eva Plischke, Margret Schütz
Musik Friedrich Greiling
Video Paula Reissig
Assistenz Mona-Bawani Mühlhausen
Lichtdesign & Technik Frank Pahnke, Tobias Bischoff
Übersetzung & Übertitelung Kate Mcnaughton

Mit Frank Oberhäußer, Alper Yildiz
Im Video Schüler˟innen der Hector-Peterson-Oberschule: Abdellatif Assaf, Dardan Elezi-Grabia, Karima Fayad, Malak Issa, Marcel Kath, Hilal Kaya, Mustafa Eren Özdilberler, Rabia Rüdiger, Görkem Uslu, Yusuf Yilmaz, Kadir Yilmaz

www.turbopascal.info

Alter 14+
Dauer 55 Min.

Ort und Zeit

  • 28.04 19:00 Uhr
    SOPHIENSÆLE / Hochzeitssaal
    accessible
  • 29.04 18:00 Uhr
    SOPHIENSÆLE / Hochzeitssaal
    accessible
  • 30.04 11:00 Uhr
    SOPHIENSÆLE / Hochzeitssaal
    accessible

Förderer

Gefördert durch: Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

Ein Flachbildschirm, eine Lampe und zwei rollende Bürostühle. Frank, 38-jähriger Theatermacher aus Neukölln, und Alper, 17-jähriger Schüler aus Kreuzberg, haben sich vor zwei Jahren zufällig kennengelernt. Das Gespräch über den Film Der Pate und die Figur des Paten wird zum Startpunkt einer Diskussion über Erbe und Familie, über Gangsterkompetenzen und Männlichkeitsbilder. Ihre Blicke auf die Mafia- und Familiensage sind extrem unterschiedlich. Wer von beiden würde den besseren Paten abliefern?

Frank: „Ich wäre gerne Vito Corleone, der alte Pate. Wenn ich gut drauf bin, bin ich auch ein bisschen wie er. Ich kann in einer Gruppe ein Gefühl von Ruhe und Zuversicht ausstrahlen.“
Alper: „Ich wäre am liebsten Michael Corleone, der Sohn. Ich denke, ich habe auch so eine Gelassenheit und natürliche Autorität wie er. Auch wenn ich der netteste Typ bin, haben die Leute Angst vor mir.“

Alper Yildiz und Frank Oberhäußer standen bereits bei Weissagungen (2014) zusammen auf der Bühne. Während der Proben sind die beiden über den Film Der Pate ins Gespräch gekommen und Alper hatte daraufhin die Idee, daraus ein Theaterstück zu machen. Ergebnis ist ein Stück über die Begegnung zweier Männer aus unterschiedlichen Generationen und Familienverhältnissen. „Laie“ und „Profi“ stehen einander dabei in nichts nach und entwickeln gemeinsam eine eindrückliche Spielweise auf Augenhöhe, während ihre inhaltliche Herangehensweise an Der Pate neue Denk- und Interpretationsräume für das Publikum ermöglicht.

Turbo Pascal ist ein Berliner Theaterkollektiv, das interaktive Bühnenperformances und partizipative Projekte entwickelt, u.a. an den Sophiensælen Algorithmen (2014/15) oder Selbstbeschwichtigung (2016). Seit 2010 arbeitet Turbo Pascal auch mit und für Jugendliche: In Kooperation mit der Hector-Peterson-Schule Kreuzberg entstanden nach X-Schulen (2010) die Stücke Publikumsbeschwörung (2011) und Weissagungen (2014). Die Besonderheit dieser Arbeiten ist es, dass Schüler˟innen und Performer˟innen von Turbo Pascal auf der Bühne aufeinander treffen und unter anderem ihr Verhältnis miteinander thematisieren.

Votum

Auf der Bühne der Theaterperformance DIE PATEN von Turbo Pascal sind zwei Performer auf Bürostühlen. Die zwei Performer sind Frank und Alper, der eine 38, der andere 17. Der eine ist Theatermacher, der andere Schüler. Beide leben in Berlin Kreuzkölln.

Im hinteren Teil der Bühne werden auf einem Monitor Behauptungen über die Performer eingeblendet, die beide oder keinen betreffen könnten. Möglichkeiten und Eventualitäten, wie die Performer sich kennengelernt haben und wie ihre Leben und ihre Persönlichkeiten sein könnten – bis hin zu beispielsweise der möglichen gemeinsamen Schuhgröße. Während diese Behauptungen zwischen Klischees und Zuschreibungen changieren, die in Theaterräumen und in den Köpfen der anwesenden Menschen existieren könnten, werden diese nicht verifiziert, sondern durch die Performer notfalls durch Überziehung der Stereotypen bloß gestellt.

Alper und Frank widmen sich lieber ihrer wahren gemeinsamen Passion: die Filme der Der Pate-Trilogie. Durch die Figuren und Charaktere der Filme, aber auch die historische Verortung der Filmhandlung im New York der 1940er Jahre, werden inter- und transgenerative Fragen von Migration und Migrationsgesellschaft verhandelt. Wie hätten Frank und Alper anstelle von Vito (Corleone) reagiert? Wieso geht Michael, der Sohn des Paten, mit seiner Freundin Kay so ruppig um? In ihrer postmigrantischen Realität geht es insbesondere um Männlichkeit und Männlichkeitsbilder, die für beide eine verbindende Realität darstellen. Wie stellen sie sich diesem sozialen Gefüge als Männer? Wie sind ihre eigenen Großväter und Väter damit umgegangen?

DIE PATEN von Turbo Pascal besticht nicht nur durch das hervorragende Spiel zwischen Frank und Alper, die sich so ähnlich sind, aber doch so verschieden und sich dabei auf Augenhöhe begegnen. Es besticht eben auch dadurch, dass die postmigrantische Gesellschaft als gelebte Realität der Ausgangspunkt der Performance ist, die Klischees und Stereotypen hinter sich lassen und neue gemeinsame theatrale Räume ermöglichen kann.

Votum von:

Dr. Azadeh Sharifi